Am Sonntag 13. Juni 2010 wurden 3 junge Bartgeier im Calfeisental freigelassen. Erstmals nachdem vor 120 Jahren der letzte Bartgeier in der Schweiz erschossen wurde, soll er sich wieder in den Nordalpen ansiedeln.
Am Samstag 11. Juni 2011 wurden nochmals 3 junge Bartgeier ausgesetzt am gleichen Ort.
Das Calfeisental, oder genauer das "Eidgenössische Banngebiet Graue Hörner" bietet mit seinen intakten Wildtierbeständen und den guten thermischen Bedingungen beste Lebensbedingungen für Bartgeier, so das Expertenteam der Stiftung Pro Bartgeier. Auch international wurde für die Auswilderung in den Schweizer Nordalpen grosse Unterstützung gefunden.
Jungtier bei der Freilassung Juni 2010
Behalten Sie während Ihrer Spaziergänge und Wanderungen rundum Vättis den Himmel im Auge. Vielleicht haben Sie Glück. Grundsätzlich hält sich der Bartgeier in Gebieten über die Baumgrenze auf und westlich von Vättis Dorf.
Falls Sie einen Bartgeier sehen, freut sich die Stiftung Pro Bartgeier auf eine Rückmeldung über deren Webformular. Unser Webmaster (webmaster@vaettis.ch) freut sich auf gelungene Bilder, die er mit Quellenangabe für diese Webseite verwenden darf.
Selbstverständlich sollten Sie Wildtieren nicht zu nahe kommen und sicher nicht versuchen, zum Nest zu kommen, damit sie bei der Brut nicht gestört werden. Falls Sie ein verletztes Tier sehen, nehmen Sie bitte Kontakt auf mit dem Wildhüter (079 727 86 03) oder dem Förster in Vättis (stefan.nigg@wald-sg.ch, Tel. 081 330 20 35).
Die drei jungen Bartgeier aus 2010 sind etwa gleich alt und stammen aus der Schweiz, Tschechien und Spanien. Es sind also keine Geschwister; dies um Inzucht möglichst vorzubeugen. Sie sind noch so jung, dass sie erst noch gefüttert werden müssen und nicht fliegen. Während dieser Periode stehen sie rundum die Uhr unter Beobachtung und Schutz. Da sie mit kleinen Sendern ausgerüstet sind und einzelne Federn mit Bleiche markiert sind, kann man in den ersten Jahren die Tiere individuell folgen. Sie heissen Sardona, Kira und Ingenius (2010) und Tamina, Scadella und Madagaskar (2011). Letztere zwei stammen aus der in Südspanien gelegene Zuchtstation Gualdalentin.
In den ersten Lebensjahren fliegen Bartgeier (weit) weg von ihrem Geburts- bzw. Auswilderungsort. Als erwachsene Tiere kommen sie gerne wieder zurück, speziell wenn die Nahrung andererorts knapp ist.
Erwachsene Bartgeier wiegen 5-7 kg und haben eine Flügelspannweite von knapp 3 Metern. Männchen und Weibchen lassen sich nicht äusserlich unterscheiden. Die Jungen schlüpfen nach etwa 55 Tagen Brütezeit und werden im Alter von 3,5-4 Monaten flügge. Geschlechtsreif werden sie nach 5 bis 7 Jahren.
Die rote Farbe der Bartgeier ist eigentlich Schminke: die Federn sind weiss, aber die Vögel färben sie in eisenhaltigen Pfützen rostrot ein.
Zu 80% ernährt ein Bartgeier sich mit Knochen und für den Rest mit Aas. Bis zu 18 cm lange Knochenstücke schluckt er ganz hinunter, grössere lässt er aus einer Flughöhe von 60 Metern auf den Felsen zerschellen und frisst nachher die Splitter. Täglich frisst er 250-400 g Knochen. Sein Revier ist bis zu 400 Quadratkilometer (20x20 km) gross; im Winter fliegt er noch weiter.
Das Calfeisental gehört zu Vättis. Ab der letzten Postautohaltestelle auf dem Gigerwaldstaudamm geht es ohne Höhenunterschiede nach St.Martin, 3-4km entlang der Strasse. Bis St. Martin ist diese Strasse auch mit dem PKW befahrbar. Die Fahrrichtung wird jede halbe Stunde gewechselt. Ab Staudamm können Sie jede volle Stunde während 20 Minuten weiterfahren. Ab St.Martin gibt es Wandermöglichkeiten entlang der Calfeisenstrasse (Schotterstrasse auf der nördlichen Talseite mit 300m Höhenunterschied) bis zur Alp Sardona (1,5 Std) und weiter den Bergwanderweg zur Sardonahütte (nochmals 300 Höhenmeter). Auf der südlichen Talseite gibt es einen Bergwanderpfad, ebenfalls zur Alp Sardona.
Mehr über den Bartgeier erfahren Sie auch auf www.bartgeier.ch und Wikipedia:Bartgeier. Einige Bilder haben wir dort dankend ausgeliehen:
