Kulturbrücke und Vättis (Foto Werner Aepli)
Vättis hat einiges an Kultur zu bieten und ist durchaus nicht das verschlafene und weit abgelegene Dorf, wofür man es auf den ersten Blick halten könnte.
Seit mehr als hundert Jahren empfängt Vättis gerne Gäste, die die Bergwelt erleben möchten. Im Gegensatz zu früher liegt Vättis nicht mehr weitab von der restlichen Welt. 20 zusätzliche Autominuten nehmen viele Vättner gerne in Kauf, um in Vättis wohnen und auswärts arbeiten zu können. So hat sich das Moderne und das Traditionelle in Vättis gemischt. Neben traditionellen Festen und einem blühenden Vereinsleben (u.a. mit einer eigenen Blasmusik mit etwa 40 Mitgliedern und einer Gugga-Musik) gibt es Veranstaltungen mit und über moderne Kunst.
Über die kulturellen Ereignisse, Führungen und Kurse informiert unser Kalender.
Im Sommer 2009 hat ein internationales Steinbildhauer Symposium stattgefunden. Jetzt gibt es den Vättner Steinskulpturenweg mit zwölf sehr unterschiedliche Steinskulpturen kurz ausserhalb vom Dorf. Der 30-minutige Spaziergang ist ausgeschildert ab Dorfmitte. Der Verein Skulpturenweg Vättis hat vor, auch in 2010 Künstler in Vättis einzuladen. Aktuelles finden sie auf vorher genannten Link.
Im Walserdorf St. Martin im Calfeisental gab es in 2009 Aufführungen des Freilichtspiels "Die letzte Walserin von Calfeisen" mit die Theatergruppe Jenins.
2008 gab es ein internationales Druckersymposium auf der Grenze von St. Gallen und Graubünden gleich hinter Vättis. 2005 gab es zum ersten Mal ein internationales Holzbildhauer-Symposium dessen Arbeiten u.a. auf der Kulturbrücke (übrigens ein Werk des Vättners Stefan Gort) gezeigt wurden und das Anlass war zu vielen Diskussionen. Während einer Woche gab es abends Vorträge zum Thema Kunst und Kunstpraxis.
Kunst und Kunsthandwerk kann man auch sehen bei Parnassia, einer Druckerei, die noch mit Bleibuchstaben druckt und 2009 mit einem Anerkennungspreis der St. Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet wurde. Es gibt auch einen Steinbildhauer, dessen Skulpturengarten im Sommer besucht werden kann.
2004 erwarb die Ortsgemeinde, zusammen mit der politischen Gemeinde Pfäfers, Bilder aus der Erbschaft der Künstler Erhard und Rosemarie Fappani, mit dem Ziel, diese Werken periodisch auszustellen. Inzwischen ist die Sammlung inventarisiert. Viele der Malereien zeigen die Landschaft um Vättis. Hier finden Sie einige Fotos. Vom 7. September bis zum 21. Oktober 2007 wurden Werke dieser Künstler ausgestellt im Drachenlochmuseum (siehe unten). Ein Teil der Werke gehört zur Kernsammlung, ein anderer Teil kann käuflich erworben werden.
Eine florierende Land- und Holzwirtschaft ist auch Teil der Vättner Kultur. Immer noch ein grosses Ereignis ist der Alpabzug Mitte September. In Vättis lebt man traditionell und modern, nahe an der Natur.Das Museum zeigt unter anderem prähistorische Funde aus dem Drachenloch, einer Höhle hoch oberhalb Vättis wo, vor etwa 53.000 Jahren altsteinzeitliche Jäger ihr Sommerlager hatten. Römische Münzen, die originalen Holzskulpturen aus der Kapelle St. Martin und eine Mineraliensammlung gehören auch zur Ausstattung.
Das Drachenloch (Foto Dagmar Sprecher)
Das Museum liegt mitten im Dorf, im alten Schul- und Rathaus. Nach telefonischer Anmeldung bei Frau Doris Wobmann, Telefon 081 306 12 94, oder Frau Sylvia Kniebs, Telefon 081 306 13 68, kann es besucht werden. Eintritt mit 1-stündiger Führung kostet CHF 8,- für Erwachsene (bis 10 Pers.), jede weitere Person CHF 4,- und für Kinder/Schüler CHF 2,-. Schülergruppen aus dem Kanton St. Gallen haben freien Eintritt.
Zur Sonderausstellung Fappani gab es eine Kostprobe
Von etwa 1300 bis zum Jahr 1652 war das wilde Calfeisental westlich von Vättis von Freien Walsern ganzjährig bewohnt. Eingewandert waren sie vielleicht von ihren Höfen in Bargis oberhalb von Flims über die Trinser Furgga, ausgewandert ist die letzte Familie Sutter nach Vättis. Geblieben sind im Calfeisental deutsche Flurnamen, die an ihre Besiedlung erinnern: Rathausboden, Ammansboden, Ebni, Egg, Friedhöfli und Chilchli. Hauptsächlicher Zeitzeuge der Freien Walser ist ihr Kirchlein St.Martin, erbaut laut dendrochronologischer Untersuchung ums Jahr 1312. St.Martin war religiöses Zentrum nicht nur der Walser im Calfeisental, sondern auch ihrer Volksgenossen im Weisstannental und wahrscheinlich noch weiterer Walsergehöfte in der weiteren Umgebung, zum Beispiel auf dem Vättnerberg.
Dass Walser ausgewanderte Walliser sind, ist in alten Urkunden klar ersichtlich, zeigt sich aber auch an der walserischen Sprache und Kultur. Im Walserkirchlein St.Martin stammen die Figur "Madonna mit Kind" und das Christuskreuz aus der Zeit der Walsereinwanderung. Gegenüber dem Kirchlein steht das doppelstöckige Walser-Wohnhaus, dessen Jahrzahl 1588 noch lesbar ist. Aufs ganze Calfeisental verstreut sind vor allem auf der Sonnenseite unzählige "Hosteten" zu finden: Vertiefungen im Boden, die auf frühere Gebäude hinweisen. Die einzigen beiden noch bestehenden Walser-Bauten des Calfeisentals stehen aber in St.Martin. Das Kirchlein ist im Besitz der Katholischen Kirchgemeinde Vättis. Es wird noch für Gottesdienste genutzt.
Das Mesmerhaus, bis in die 1970er Jahre als Wirtschaft gebraucht, gehört der Wirtefamilie Christian und Damaris Lampert.
Nähere Angaben sind zu finden unter www.sankt-martin.ch
Ein Kunst- und Kulturführer zu St.Martin ist im Restaurant erhältlich: Die Saison dauert jeweils von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Das Kirchlein ist frei zugänglich.
Text St.Martin von Axel Zimmermann
2008 wurde das 100-jährige Jubiläum des Calfeisental-Strassenunternehmens gefeiert. Zu diesem Anlass ist ein kleines Buch mit einer Beschreibung der Geschichte, Ausschnitten aus alten Dokumenten und vielen Fotos herausgegeben worden. Mit freundlicher Genehmigung einer der Verfasser, Beat Jäger, nehmen wir hier das eingekürzte Kapitel "Zeitreise" und einige Fotos auf. Das Buch ist im Dorf erhältlich.
